Kapitel 11: Blood Ripper James

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Inhaltsverzeichnis

Rundgang

Jade und Artem beschlossen, sich die oberen Ebenen der Station näher anzusehen, nun, da absehbar war, dass das Team hier wohl fest stationiert sein würde. Cameron wollte versuchen, mehr über die neue Raptor Biohybrid-Jägerklasse herauszufinden, Craig hatte einen Abstecher zu den Glücksspielbars vor und Jarod folgte einer "Spur des Schicksals" durch die Station. Ihr erster Weg führte sie in ihre Appartements auf Level 3. Einfache, aber geräumige Appartements aus zwei Räumen, einem Wohn- und einen Schlafraum, ersterer mit angegliederter Kleinküche und ein ordentliches Bad mit Dusche, aber ohne Wanne, bildeten ihre Unterkünfte. Mehr als ein Bett, ein Tisch, ein Anschluß an das lokale ZeroNet war dort nicht vorhanden und so würde viel Platz sein für persönliche Gestaltung in den nächsten Wochen.

Auf Ihrem Weg durch die oberen Level durchwanderten sie die Korridore mit den Händler, den Lokalen, Teile der Habitatsbereiche, gingen vorbei am Büro der Sicherheit von Lindsey Marsden und statteten letztendlich der medizinischen Station von Doc Benjamin Walther einen Besuch ab.

Dort angekommen, bat Artem Petersen seine Hilfe an für die Zeit, da er auf der Station sein würde. Immerhin würde die Valkyrie einige Wochen im Dock verbleiben, um die vielfältigen Schäden zu reparieren. Doctor Walther reagierte erst zurückhaltend angesichts der Tatsache, dass er der Port-Au-Prince Schule entstammte und Doctor Petersen der Montressor-Schule, doch nach einigen Gesprächen einigten sich beide Doktoren und der Avatar der Station wurde auf Zugriffsrechte für Dr. Petersen programmiert.

Dr Walther berichtete seinem Kollegen auch von dem metallenen Arm, den das Team vor einigen Wochen nach dem Zusammentreffen mit dem mutmaßlichen Arm in das Labor gebracht hatte. Ob der vielen Arbeit wäre Petersen fast zu spät zu einer Verabredung mit Ichiko Aiko, seinem amurösen Abenteuer gekommen und musste diese auch nach wenigen Stunden wieder vertrösten, dass er wieder zur Arbeit müsse, was einen kleinen Streit ausgelöst hatte.

ABI SDU 002

Etwas vorher, noch auf dem Weg zur Klinik trafen unsere zwei Freunde einen großgewachsenen Hawaiianer mit langen Dreadlocks. Überraschenderweise trug dieser eine schneidige gut aussehende Uniform mit dem Logo des ABI Konzerns auf der Schulter. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass dieser Hawaiianer nicht nur für ABI arbeitet, sondern der Kommandant der ABI SDU 002 war und seine Einheit im Bereich Infiltration & Konzernspionage arbeitet. Sein Name war J. J. Houkes. Er gab sich sich sehr locker und schien nicht viel von konzernbasierter Höflichkeit zu halten. Über ABI SDU 001 und ihre Aufgaben wusste er wenig zu sagen, sie operieren wohl "ganz weit draussen", was immer das hieß. Er lud Jade zum Hover-Tjosten, diese lehnte dankend ab, würde aber gerne zusehen. Auf die Nachfrage, wo sie das machen würden, antwortete J.J., dass sie einen Korridor sehr tief im Felsen gefunden haben, der breit genug wäre und auch nicht einsturzgefährdet sei. Man trennte sich mit einer lockeren Verabredung auf einen Drink, um sich gegenseitig kennenzulernen.

Ein Mord!

Der folgende Tag wurde von Arbeit, Konzernberichten und der Einrichtung der Appartements ausgefüllt, abends wollten sich Jade und Artem zu einem Drink in einer netten Tapas/Grill-Bar, die sie gefunden hatten treffen, im El maestro de la parrilla. Wie der Zufall so will, waren mehrere andere Gäste auch in der Bar, unter anderem auch eine Gruppe von Geschäftsreisenden und ein Tisch voller Legionärinnen auf Landurlaub, darunter auch Tracy Higgins. Die Damengruppe pokerte und war ordentlich damit beschäftigt, sich zu betrinken. Unsere beiden Freunde gesellten sich dazu und ein schöner Abend sollte beginnen. Einige Spitzen flogen von Seite des Damentisches in Richtung des Geschäftsreisendentisches, diese jedoch gaben sich bedeckt und reagierten auf keinerlei Provokation. Eine der Legionärinnen, Sgt. Sarah Hutchinson von Support Force One, hatte schnell zuviel des Alkohols und bevor sie hätte schlimmeres anrichten können, brachte sie Artem zurück zum Legionenkriegsdock.

Später waren die Geschäftsleute gerade im Aufbruch. Kurz danach öffnete sich einer der Vorhänge zu den Separees und eine violetthaarige Frau mit Augenklappe trat durch den Schlitz. Sie lächelte, richtete ihr Haar, wischte sich den Mund ab und ging zum Ausgang. Kurze Zeit später war eine der Bedienungen heran, um das Separee aufzuräumen. Das nächste, was man hörte, war ein spitzer gellender Schrei.

Unsere Protagonisten waren sofort zur Stelle und entdeckten einen fürchterlich zugerichteten Mann mittleren Alters, dem ein dreieckförmiges Stück des Brustkorbes fehlte. In seinen Gedärmen steckte eine schwarze Lilie, eine echte Blüte, nicht aus Plastik oder Seide. Alles war voller Blut. Sofort hastete Jade der Frau hinterher, stieß aber mit Artem zusammen, der gerade von der Legionenbasis zurückgekehrt war. Sie tauschten sich aus, Artem warf einen kurzen Blick auf die Leiche, währenddessen informierte Jade den Sicherheitschef, Marsden. Dann jagten beide der violetthaarigen hinterher. Sie sahen sie in einen Turbolift eintreten, warteten und folgten Ihr mit dem Lift immer in sicherem Abstand durch die Gänge. Der Lift hatte sie sehr tief in den Felsen geführt, aber offenbar in einen verlassenen Seitengang, in dem nur einige defekte Maschinen abgestellt waren.

Die Frau traf zusammen mit 3 breiten Schlägertypen, von denen einer mit einer zusammenziehbaren Kettenpeitsche spielte. Sie unterhielte sich kurz, dass diese kurze Demonstration nun wohl "ihre Kooperationsbereitschaft" mehren würde und dass sie "den Fingerzeig" verstehen würde. Die Frau sagte noch, dass sie das Shuttle fertig machen sollen, sie würde um 12:00 auf der Maria sein wollen.

Artem, der sich nicht recht versteckt hatte, wurde nun entdeckt und einer der Schläger wies die Frau darauf hin. Sie wies sie an, den verfolger zu töten und entschwand in einem Seitengang.

Der Kampf, der zwischen den beiden Psionikern und den Schlägern entbrannte, war hart und kurz. Und als die Schläger erkannten, dass sie Psioniker vor sich haben, flohen zwei der drei. Der dritte wurde bewusstlos geschlagen und sofort untersucht. Doch ausser einer tätowierten Lilie im Dornenkranz, unterschrieben von schwungvollen Buchstaben, die da hiessen "vobiscum aeternam" fanden sie nichts. Von der Frau fehlte auch jede Spur. Jade kontaktiere nochmals Marsden, dessen Team damit beschäftigt war, den Tatort zu sichern. Dieser schickte zwei weitere Leute, um den Schläger in Haft zu nehmen. Marsden ließ ebenso sofort alle Basiszugehörigen Startrampen schliessen und verhängte ein temporäres Startverbot.

Blood Ripper Jeanette

Die Aufräumarbeiten begonnen und schnell wurde bei Zugriff auf teils freigegebene Daten der Sicherheitsdatenbank des ZeroNet klar, dass die schwarze Lilie das Markenzeichen des wohlbekannten Piratenkapitäns Bloodripper James ist. Die Leiche wurde in die Forensik gebracht und dort untersucht.

Während Jane noch ihren ehemaligen Wingman bat, Daten, die Bloodripper James im Legionen-Netz betreffen zu besorgen, machten sich die beiden Ärzte an die Obduktion. Dabei fanden sie höchst verstörende Details. Zum einen waren minimale Restspuren aktiver noetischer Partikel zu finden, zum anderen schien der Mann ca eine halbe Stunde vor seinem Tod massive Schmerzhemmende Mittel eingenommen zu haben. Die Interpretationen der anderen, dazu passenden Untersuchungsergebnisse, liessen viele Schlüsse offen, von den einen ein möglicher Quantenkinetiker war, andere mehr wahrscheinlichere Schlüsse bildeten. Schlüssig war jedoch keiner davon.

Jade indes fand heraus, dass die ersten dokumentierten Fälle von Bloodripper James mehr als nur wenige Jahrzehnte zurückliegen und wäre er heute noch aktiv, würde er über 130 Jahre sein. Chiron fand jedoch etwas weit interessanteres heraus. Bloodripper James hatte eine Tochter namens Jeanette, die unter einem seltenen Gendefekt leidet, der nicht lethal ist, aber die Farbbildung von Haut, Haaren und Augen beeinflusst. So soll diese Jeanette violettes Haar haben. Der Pirat hatte also vermutlich sein Imperium vererbt. Ging es hier um eine ganze Piraten-Dynastie?

Waren sie einem der gefürchtetsten Teufel des Inneren Sonnensystems genau gegenüber gestanden? Man beschloß sich später mit dem Team und einer Mütze voll Schlaf nochmal zusammen zu setzen.

Besuch auf der Promenade

Am nächsten Morgen, Artem hatte nur wenig geschlafen wegen des Nachtdienstes in der Klinik, riefen beide das Büro von Linsey Marsden an, um ihre Informationen abzustimmen. Als sie gerade angefangen hatten zu sprechen, brach dieser das gespräch ab und wirkte leicht erregt. Er sagte nur was von "Promenade" und "Hoher Besuch" und murmelte hoffend, "dass das alles nur gutgehe...".

Also verliessen Jade und Artem auch ihr Hotelzimmer, dass sie diesen Abend das letzte Mal haben würden und huschten auf die Promenade, eben jenes oberste Deck, was von einer riesigen Biosglaskuppel überthront war.

In einer grossen Gruppe, umringt von einem Team von Legionären und auch Ichiko Aiko in einem grauen Business Dress, standen 3 riesige Gestalten. Echsenhaft, zwei davon in goldene Rüstungen gekleidet, die an die Antike erinnerten, bewaffnet mit langen Lanzen, an deren Spitze es leicht bläulich glühte, die Echsenschädel bewehrt mit goldenen Helmen, aus denen Federn fremder Vögel emporragten. Das dritte Wesen überragte die offenbaren Leibwächter nochmal um eine menschliche Armlänge und war bekleidet in einer Art schneeweisser Tunika, auf deren Front eine grosse goldene Sonnenscheibe prangte. Der Schädel war behangen mit Perlen, nochmehr bunten Federn und allerlei anderem Schmuck. Die Klauen der muskulösen Hände waren von feingeschmiedeten goldenen Kappen überdeckt. Um die drei Wesen, die nur Sik'lash sein konnten, gruppierte sich eine Menge von fast einhundert Schaulustigen und Ichiko Aiko, die baldige Diplomatin der Aeon Trinity sprach immer wieder auf sie ein, jedoch mit ruhigem Ton. Offenbar waren nahezu alle Anwesenden von der Situation überfordert.

Bald fanden Artem und Jade heraus, dass die Sik'lash der Umgebung des Legionenkriegsdocks müde waren und sich nicht aufhielten liessen, da sie wissen wollten, wie die Menschen leben. Der grösste der Sik'lash, von dem sie schnell heraus fanden, dass es eine Frau war, erkannte Jade. Sie hatte im Hintergrund gestanden, als Craig das Gespräch beim ersten Kontakt mit dem Kommandanten der Anu'tranka, genannt Sit'rankhur, geführt hatte. Die Hohepriesterin nannte ihren Namen, der für menschliche Kehlen nicht aussprechbar war und ließ sich auf die Kurzform Srr'trkeh ein.

Nach wie vor regte es Verwirrung und Fragen an, dass die Sik'lash offenbar austronesisch sprachen und auch verstanden. Es kam zum Gespräch zwischen der Hohepriesterin und den beiden Gefährten. Bei diesem versuchte Ichiko Aiko immer wieder das Gespräch zu führen, doch wurde sie von der Hohepriesterin denunziert, dass das Menschenweib immer nur redete und redete, bis den Sonnengebohrenen die Ohren bluten würde, dass sie nicht das Geschenk der Stille zu schätzen wisse.

Das Gespräch drehte sich um eher grundsätzliche Dinge, wie Freizeit, Erkennen von Geschlechtern der Menschen, wieso die Menschen so furchtsam auf sie reagierten und ähnliches. Keine wirklichen technologischen Details wurden ausgetauscht. Nach einer guten Stunde schien Srr'trkeh vorerst zufrieden zu sein und wollte mehr sehen, wollte sehen, wo die Menschen sich zum Essen versammeln und was sie essen. Das Team der Legionäre folgte und auch Ichiko Aiko. Unsere Freunde blieben auf der Promenade, dieser fremdartigen Begegnung nachsinnend.

Anerkannte EP: 3

Zu Kapitel 10: Landurlaub

Zu Kapitel 12: Central Command

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